Hallo
Zur Montage des Radlager der Hinterachse möchte ich ein paar Argumente beitragen.
1. Der Simmering zur Bremstrommelseite muss so in die Trägerplatte eingesetzt werden, dass sie das Radlager zur Bremse hin abdichtet. Die Trägerplatte wird dann direkt mit der Papierdichtung auf das Radlagergehäuse gesetzt. Erst danach kommt die Ankerplatte und das Fettablaufblech.
Dieser Simmering ist auf den Bildern am Anfang richtig montiert.
Der (Doppel)-Simmering zur Nadellagerseite wird in die gleiche Richtung montiert, also mit den Dichtlippen zur Diff-Seite hin.
Dieser soll das Radlager nur bedingt abdichten, der "Undichtring" ist eine großartige Wortwahl und beschreibt zugleich die Funktion. Soweit ich das auf den Bildern erkennen kann, ist auch dieser Dichtring richtig montiert.
Technischer Hintergrund: beim abschmieren soll das alte Fett möglichst aus dem Radlager ausgedrückt und durch neues ersetzt werden. Eine Undichtigkeit in Richtung Bremstrommel wäre hier unkontrollierbar und gefährlich für die Bremswirkung.
Wenn das Fett beim abschmieren aus der Ankerplatte durch die Ablaufbohrung kommt, ist sicherlich etwas falsch.
Der Undichtring soll diese Aufgabe übernehmen. Das Fett tritt also an der am Spalt der Staubkappe auf der Antiebswelle aus. Das sorgt auch dafür, das das Nadellager mit frischen Fett umspühlt und versorgt wird.
Eine andere Fettaustrittstelle ist der Lebensdauer der Lager nicht zuträglich. Gegen Eintritt von Wasser und Schmutz ist er als Doppeldichtring ausgeführt.
Die zusätzliche Bohrung im Radlagergehäuse dient ausschliesslich dem Luftaustritt, damit sich kein Luftpolster innerhalb des Radlagergehäuses halten kann. Wo Luft ist, ist kein Fett zur Schmierung.
Das nachdrückende Fett sichert diese Bohrung gegen Wassereintritt. Die Größe dieser Bohrung ist so gewählt (mini), dass sie einen höheren Widerstand für das Fett darstellt als der Undichtring. Die Luft kann auch durch ein Miniloch raus und das Nadellager wird verlässlich abgeschmiert weil dort dann der leichtere Weg für das Fett ist. Wer diese Bohrung vergrößert, nimmt dem Nadellager die Fettspülung und vermutlich Lebensdauer.
Auf den Konus sollte wohl kein Fett aufgebracht werden, jedoch ist ein dünn-öliges Trennmittel (vielleicht WD40) ratsam.
technischer Hintergrund: Die Hauptübertragungkraft zwischen Welle und Nabe liegt auf dem Konus. Der Keil ist lediglich eine Verdrehsicherung beim festziehen. Im Automobilbau gibt es etliche solcher kraftübertragenden Konusverbindungen, die teilweise ohne Keil ausgeführt sind, da daran Einstellungen vorgenommen werden müssen.
Den Konus trennmittelfrei zu montieren birgt die Gefahr einer Kaltverschweißung auf atomarer Ebene siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaltverschwei%C3%9Fen , das dann zu einer unlösbaren Verbindung wird.
Ein dünnöliges Trennmittel wird beim anziehen mit dem Drehmoment verdrängt und verhindert nur die Kaltverschweissung.
Wer an einer Radnabe selbst unter zu Hilfe nahme des Spezialwerkzeuges verzweifelt ist, war vermutlich Opfer einer solchen Kaltverschweißung.
Das Argument: feste Verbindung geht vor "wieder zerlegen können" taugt hier nur bedingt. Die erforderlichen kraftschlüssigen Verbindungen sind allemal ausreichend und bei über 95.000 Spitfire-Exemplare erfolgreich getestet.
Der Werkzeugsatz, den ich erdacht und Jogi anschliessend erfolgreich produziert und vertrieben hat, hatte in der Planungsphase noch ein weiteres Element, dass dem Sonderwerkzeug S304 des Werkstatthandbuches entspricht.
Der Werkzeugsatz ist Jogi in der Qualität so gut gelungen, dass er zeitweilig von den Händler kopiert und vertrieben wurde.
Dort ist aber wohl nichts lieferbar.
Vorbeugend der Komentare: ... bei meinem Spitfire.... seit 20 Jahren .... aber.....
Soll jeder machen wie er will, dies ist nur mein Beitrag dazu.
LG
Ewald