Seite 1 von 2

Die große Bremssattelfrage

Verfasst: 23. Sep 2008, 23:22
von Feuerkopf-6
Hallo Zusammen !!!

Ich bin bei meiner GT6- Restauration gerade bei dem Bremsen angelangt. Ich dachte mir wieder welche einzubauen wäre ne gute Idee.

Wie immer zu Anfang einer neuen Arbeit tauchen natürlich auch wieder neue Fragen auf: was kann man selber machen, was sollte man von fachkundigem Fachpersonal in der nächsten Fachwerkstatt machen lassen ???

Vieles steht ja auch im Rep.- Handbuch und einiges Interessantes (...auch viele Hahnebüchene Geschichten) liest man ja auch in diversen Inernetforen.

Am interessantesten finde ich die Aussage: Die beiden Bremssattelhälten darf man "um Gotteswillen" nicht trennen. Ok, habe ich auch so gelernt.

Aber: kann mir irgend jemand mal einen plausiblen Grund dafür nennen?

Einmal sind die Dinger ja schließlich schon mal montiert worden....

Grüße, Björn

Verfasst: 23. Sep 2008, 23:37
von Dani Senn
Man kann sie schon trennen, muss aber aufpassen, dass penibel sauber gearbeitet wird, zwischen den beiden Hälften hat es ein Dichtring, das ist kein ordinärer Oring sondern ein spezieller 4 Kant Oring, der Resistent gegen Bremsflüssigkeit ist.Bei uns in der Schweiz bekam man den nur bei meinem Ex Arbeitgeber unter der Hand. (Ich kannte einen der einen kannte.....) Der war eine Zeitlang nicht mal für gutes Geld zu kriegen, darum der Grund, die Zangen nicht zerlegen solange es da dicht war "let it bee". Beim Zusammenbau wenn möglich neue Schrauben verwenden, oder aber die alten mit Loctite sichern.

Verfasst: 23. Sep 2008, 23:55
von Feuerkopf-6
Hallo Dani,

mit deiner Antwort kann ich besser leben und befriedigt meine Neugier nach neuem Fachwissen schon ehr ;o)

Denn: "darf man nicht" oder "um Himmels willen" und es dann nicht begründen können - halte ich schlichtweg für einen Unwissenheits - Mythos.

Das da nen Dichtring reinkömmt weiß ich und das man ihn nirgens kaufen kann hab auch so läuten hören. Der Herr Hehlhans von untenstehender Seite verrät es nämlich auch nicht...

http://www.hehlhans.de/tipp13.htm (siehe Punkt 5, Bremssattel und Bremskolben (Perrot oder Teves))

Fazit: solange ich den Dichtring nicht bekomme und noch alles Dicht ist - lieber alles zusammen lassen.

Grüße, Björn

Verfasst: 30. Sep 2008, 22:41
von Feuerkopf-6
Moinsen!

Um das Thema "Bremssättel darf man nicht trennen" abzuschließen: Ich habe die Sättelhälften heute wieder montiert (Planfächen gereinigt, O-Ring eingesetzt, Loctite an den Schrauben verwendet, mit Drehmoment festgezogen, mit 10 bar abgedrückt) und alles war dicht und funktioniert auch wieder.

Grüße, Björn

Verfasst: 1. Okt 2008, 06:21
von MKIII
Feuerkopf-6 hat geschrieben: .... mit 10 bar abgedrückt....
??? :?:

Verfasst: 1. Okt 2008, 08:28
von Reinald
10 Bar reicht bei weitem nicht, um die Betriebssicherheit der Bremssättel zu belegen. Da solltest Du nochmal nachlegen, im Bremssystem können weit höhere Drücke anliegen!

Gruß
Reinald

Verfasst: 1. Okt 2008, 08:32
von Markus Simon
da fehlt mal mindestens eine Null :D

Verfasst: 1. Okt 2008, 11:01
von MKIII
Markus Simon hat geschrieben:da fehlt mal mindestens eine Null :D
da merkt man das auch eine Null manchmal wichtig ist!! :wink:

Verfasst: 1. Okt 2008, 14:11
von Harry
:mrgreen:

Hi Björn,

kannst Du mir einen plausiblen Grund dafür nennen dass man die Hälften trennen muß?

mfG
Harry

PS Mit solchen "Tips" für sicherheitsrelevante Bauteile wäre ich hier im Forum vorsichtig. Wir haben zwar noch keine amerikanischen Verhältnisse, aber evtl. kommt hier trotzdem jemand auf die Idee: "Was der Björn kann, kann ich auch!"

Verfasst: 1. Okt 2008, 16:05
von Feuerkopf-6
Hallo Harry,

einen plausiblen Grund zum Trennen der beiden Hälften gibt es natürlich nicht!! Da gebe ich dir recht!! Es sei denn man hat Bremsen bekommen, bei denen sie schon getrennt waren und sie dann wieder zusammensetzen möchte.
Aber sonst gibt es keinen Grund dafür und ist zum Überholen der Bremssättel auch nicht notwendig!!

Und dies hier sollte auch keine Anleitung zum Nachmachen für Jedermann sein. (hatte ich mir dann auch überlegt, aber da hatte ich meine Antwort schon gesendet)

Um noch einmal auf die vorherigen Antworten einzugehen. Ich hatte meiner Prüfung folgende Daten zu Grunde gelegt:

Achtung, Sicherheitskontrolle durchführen:
• Sind die Bremsschläuche festgezogen?
• Ist das Bremssystem entlüftet?
• Sind die Entlüftungsschrauben angezogen?
• Ist genügend Bremsflüssigkeit eingefüllt?
• Bei laufendem Motor Dichtheitskontrolle durchführen
Hierzu Bremspedal mit 200 bis 300 N (entspricht 20
30 kg)
etwa 10 Sekunden betätigen. Das Bremspedal
darf nicht nachgeben. Sämtliche Anschlüsse auf Dicht ekontrollieren.

m= 20kg,
mp=80kg (bei Pedalübersetzung von 1:4)
F= 800 N

d(Durchmesser Bremszylinder am Pedal) = 25mm = 0,0025m

A(Fläche Bremszylinder) = (Pi*d2)/4 = 0,0005 m2

P= F/A= 1.600.000 N/m2 = 16 bar.

Daher die Prüfung mit 10 bar - mehr war auch gerade nicht Verfügbar.

Aber bei einer Vollbremsung können natürlich noch viel gewaltigere Kräfte (Drücke) auftreten. Man überlege sich, man steht mit dem ganzen Körpergewicht auf der Bremse, dann hat man (auch Abhänging vom Durchmesser der Bremszylinder) das 4-6 fache an Bremsdruck. Das macht dann schon mal bis zu (im Kopf gerundet und überschlagen) über ein-einhalb Tonnen (1500kg) mit denen 1 Bremszylinder auf die Bremsscheibe drückt. Und das ohne Bremskraftverstärker ist DAS verdammt viel und rechtfertigt auch die 4 fetten Bolzen. Und man sollte wissen, was man tut, wenn man daran rumschraubt. (oder besser nicht)

Ich gelobe Besserung, wenn ich mich das nächste mal mit solch brinsanten und Sicherheitrelavanten Themen beschäftige.

Grüße, Björn

Verfasst: 1. Okt 2008, 19:22
von Joerg
Hallo Björn,

den Motor braucht man beim Spitfire / GT6 mangels Bremskraftverstärker nicht laufenlassen.

Bei deiner Rechung warst du sehr optimistisch. 20kg auf dem Bremspedal sind gerade mal eine mittelmäßige Bremsung. Ich würde, wenn die Sattelhälften getrennt waren, mit aller Kraft drücken und ruhig mal eine Gefahrenbremsung (Bremsschlag) simulieren.
Das geht natürlich erst, wenn die Sättel wieder im Bremssystem eingebaut sind. Die Prüfung mit Druckluft ist nur ein sehr grober Check, mit dem man Montagefehler (fehlender oder verrutschter Dichtring) feststelen man. Mehr aber nicht.

Drück dir die Daumen, dass alles ok ist. Schließlich hängt da einiges an Arbeit drin.


Gruß

Jörg

Verfasst: 1. Okt 2008, 22:31
von Juergen Schroeder
Hallo,
vor vielleicht einem Jahr gab es einen Bericht über Bremsen in der Oldtimer Markt oder Praxis. Da wurde auch genau das Trennen des Bremssattels angesprochen. Vielleicht weiß ja auch jemand, welche Ausgabe das war ? Wenn ich mich richtig erinnere, soll die Gefahr bestehen, daß sich die Bremssattelschrauben durch die thermische Wechelbelastung (Kalt-Warm) lockern, auch wenn die Schrauben richtig angezogen wurden. Die Bremse fällt also erst nach einiger Zeit aus....
Um zu verhindern, daß die Zangen auseinandergebaut werden, werden für die Bremszangen auch Fünfkantschrauben/Inbus und andere Spezialschrauben verwendet (allerdings nicht beim Spit).
Im dem Artikel steht auch wie die Zangen im Werk zusammen montiert werden, aber leider kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern wie :?:
Jürgen

Verfasst: 2. Okt 2008, 10:12
von Reinald
Ich meinte mich zu erinnern, daß bei den AT-Instandsetzern die Sättel mit 150 bar abgedrückt werden. Da ich aber nicht mehr sicher war und keine Quelle parat hatte, wollte ich die Zahl nicht einfach in den Raum stellen. Da aber auch abere Kollegen hier die 100bar bestätigen, scheint mich meine Erinnerung da nicht getrogen zu haben :-)

Neben die speziellen O-Ringen ist auch die Maßhaltigkeit der Planflächen ein potentielles Problem - auch die können sich verziehen beim Zerlegen der Hälften, und auch mit den passenden O-Ringen wird man dann Probleme haben, die Hälften dicht zu bekommen.

Daher der allgemeine Rat: "Finger weg vom Trennen der Sättel". Ich habe auch schon die Kolben in den Zangen getauscht, und die entsprechenden Dichtsätze verbaut. Ein preiswerte Lösung, die aber auch nicht immer funktioniert. Heute würde ich im Zweifelsfall IMMER ein paar neue Zangen (und HBZ) kaufen, ich bin nicht bereit für eine Ersparnis von 300 EUR die Arbeit im Auto (und evtl. meine Gesundheit) zu riskieren...

Reinald

Verfasst: 2. Okt 2008, 11:08
von Markus Simon
Hi
jau , 150bar passt so in etwa.
Ich arbeite in der Bremsregelsystementwicklung (ESP,ABS, etc.) wir haben in fast alles Fahrzeugen Bremsdrucksensoren verbaut .Drücke um 150 bar sind ganz normal . Hab es beim Spiti noch nie gemessen ( wäre mal interresant , mach ich wenns mir mal langweilig ist :) ) - aber um die 100bar sind es da bestimmt auch .

Re: Die große Bremssattelfrage

Verfasst: 23. Aug 2013, 11:55
von gearbox1
Ja ja. Ich weiß. Das wurde schon oft diskutiert.
Jetzt bitte nicht " Finger weg", und so !
Wer es trotzdem macht, so wie ich, der kann die Ringe zwischen den Sattelhälften DOCH kaufen.

Bei Bedarf gebe ich gerne die Adress des Händlers weiter.